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Rassebeschreibung
ÜBERSICHT ADMIN

Manx

Die Manx - eine Rassekatze
oder eine Entgleisung der Natur

Über Geschmack läßt sich bekanntlich, auch in der Rassekatzenzucht, nicht streiten, wohl aber über die Manx. Es gibt keinen Grund, Tiere zu produzieren, die ihr Leben lang an Behinderungen zu leiden haben. Damit soll nicht das Lebensrecht eines einzelnen Individuums bestritten werden. Jedes Lebewesen, das leben kann, soll auch leben und es ist die Pflicht des Menschen, auch das behinderte Leben zu schützen. Dieser Schutz muß jedoch mit dem natürlichen Tod des einzelnen Lebewesens seine Erfüllung finden und nicht darauf zielen, eine genetische Monstrosität, und das gilt nicht nur für die Manx, als "Rasse"-Merkmal in ein Zuchtprogramm einzubauen.
Die Schwanzlosigkeit oder Anurie ist eines der rassebildenden Merkmale der Manx-Katze. Wozu ist bei einer Katze der Schwanz eigentlich da, außer um in zuschlagende Türen geklemmt zu werden? Funktionell dient er dem Gleichgewicht, in der Bewegung wirkt er als Balncierstange, im Sprung als Steuergerät und beim Fall ist er ein wichtiges Hilfsmittel, den Körper in eine aufsprungbereite Position zu drehen. Schließlich ist der Schwanz, neben den Ohren, das wichtigste Ausdrucksmittel der jeweiligen Stimmung. Ein hocherhobener Schwanz signalisiert die Bereitschaft zur freundlichen Begrüßung, mit einer hakenförmigen Krümmung, die von der Schwanzwurzel bis zur Spitze wandert, steht dagegen ein Angriff bevor. Der Schwanz mit gesträubtem Fell ist ein Zeichen für drohende Abwehrhaltung. Das Schwanzpeitschen tritt bei Erregung auf, bei der Jagd jedoch ist es auf ein leise Zucken der Schwanzspitze reduziert. Damit ist die Manx beim Aufbau von Sozialkontakten mit normalen Katzen mehr benachteiligt als jede andere Rasse. Manx-Züchter behaupten oft, daß die Manx und ihr amerikanisches langhaariges Pendant, die Cymric, von "Natur aus" kerngesund sind und ein normales Jagdverhalten an den Tag legen, sonst wären sie schon lange ausgestorben. Aber das ist relativ. Die Manx konnte nur überleben, weil sie schon sehr früh als Kuriosität in menschliche Obhut genommen wurde. Es ist sicher richtig, daß eine Manx hie und da unter günstigen Voraussetzungen erfolgreich jagen kann, aber ob das für einen lebenserhaltenden Ernährungserwerb je gereicht hätte, ist fraglich.
Bei einer Ausstellungs-Manx muß die Schwanzlosigkeit vollkommen sein. Es dürfen nicht einmal geringe Reste von Schwanzwirbeln tastbar sein. Dort, wo normalerweise der Schwanz beginnt, hat die Manx eine Grube oder ein ausgeprägtes Loch. Beim Abtasten auf den absoluten Verlust jeglicher Reste von Schwanzwirbeln reagiert die richtige Manx mit Schmerzäußerungen. Weil die Flanken sehr tief sein sollen, können die Hinterläufe nicht hoch genug und der Rücken nicht kurz genug sein. Beides ist aufgrund der die Schwanzlosigkeit begleitenden Deformationen leicht zu erreichen. Das Kreuzbein ist in der Regel mit dem nach unten gekippten Beckengürtel verwachsen, die Anzahl der Lendenwirbel ist vermindert und die verbliebenen sind untereinander und mit dem Kreuzbein zusammengewachsen. Außerdem sind die Brustwirbel häufig verkürzt, daher auch die einheitlich runde Wölbung des Körpers von den Schultern über den Rücken, die Kruppe bis zu den Schenkeln. Daß dabei Wirbelspalten (Spina bifida) mit nachfolgenden Hohlraumbildungen im Rückenmark (Syringomelie) durch Zerfall des Nervengewebes entstehen, ist eine lästige Begleiterscheinung. Natürlich bleibt das nicht ohne Folgen. Bestimmte innere Organe vor allem des hinteren Körperbereiches sind nicht oder nicht genügend innerviert. Es kommt z.B. zu Verdauungsstörungen und Schwierigkeiten beim Kot- und Harnabsetzen, weil die Analregion vom Rückenmark abgekoppelt ist. Oft fehlt auch die nervöse Kontrolle über die Hinterläufe (Nachhandparalyse), was zu einem kaninchenähnlichen hoppelnden oder steifbeinigen Gang führt. Aber dieser Defekt ist ja kein Schaden, sondern als "rasse"-typisches Merkmal erwünscht.
Der Kopf ist groß und rund, aber kein stumpfnasiger Persertyp. Die eigentlich mittellange Nase erscheint nur kurz, weil die Wangen sehr stark entwickelt sind. Die Ohren sind groß, am Ansatz breit und sie verjüngen sich zu einer abgerundeten Spitze. Die Augen sind groß, rund und in einem Winkel zur Nase angesetzt. Die äußeren Augenwinkel liegen höher als die inneren.
Die Manx trägt ein doppeltes Fell mit wolligem Unterfell und nicht zu langem, weichem, offenem Deckhaar. Im Fall der Cymric ist das Deckhaar natürlich länger, aber das wollige Unterfell bleibt. Es sind alle möglichen Augen- und Fellfarben erlaubt. Daher ist die Kreuzung mit normalen Kurzhaarkatzen ein Chance, die genetischen Defekte im Zaum zu halten. Allerdings wird diese Möglichkeit von den meisten Züchtern abgelehnt, weil damit die "schönen" rassetypischen Merkmale wie kurzer (durch verkürzte Wirbel mit Wirbelspalten) und runder Rücken mit hohen Hinterläufen (durch Verwachsungen zwischen Lendenwirbeln, Kreuzbein und Becken) und der Manx hop (der hoppelnde Gang durch ungenügende nervöse Kontrolle der Hinterbeine) verloren gehen.
Der gesamte morbide Symptomkomplex ist ursächlich auf ein einzelnes Gen zurückzuführen. Das Gen hat zwei Allele, den ursprünglichen, leider rezessiven Wildtyp (m) und das mutierte Allel (M), den dominanten Manx-Faktor. Eine derartigen Anhäufung von Deformationen hängt allerdings immer von polygenen Veranlagungen ab, die aber offensichtlich alle vom Manx-Faktor entscheidend beeinflußt werden. Deshalb ist die Ausprägung der Schwanzlosigkeit auch variabel, unabhängig vom homo- oder heterogenen Zustand des Manx-Gens als Master-Gen. Aus züchterischer Sicht werden vier Abstufungen unterschieden:

Rumpy die eigentliche Manx ohne jegliche Schwanzwirbel mit einem Rumpf so rund wie eine Orange.
Rumpy-Riser eine Manx mit wenigen, gewöhnlich unbeweglich miteinander ver- wachsenen Schwanzwirbelresten, die jedoch nur tastbar und nicht sichtbar sind.
Stumpy die Manx mit einem Stummelschwanz. Der ist sogar manchmal beweg lich, aber immer verformt (Knicke und Knoten).
Longy eine Katze mit einem Schwanz von fast normaler Länge, die aber trotzdem den Manx-Faktor trägt und die übrigen Deformationen in mehr oder weniger ausgeprägter Form aufweist.

Nun zur "Zucht", so fragwürdig sie auch sein mag. Alle lebenden Manx-Katzen sind heterozygot (M/m), weil die Natur mit Hilfe eines Letalfehlers der Verbreitung des Manx-Faktors einen Riegel vorgeschoben hat. Der homozygote Zustand (M/M) ist mit einer frühembryonalen Letalität gekoppelt. So finden sich bei Merkmalsträgerverpaarungen in frühen Phasen der Schwangerschaft (bis zur 5. Woche) neben normalschwänzigen (m/m), stummelschwänzigen und schwanzlosen (M/m) Föten, die wahrscheinlich überlebensfähig auf die Welt kommen, auch grobmorphologisch defekte Früchte. Sie zeigen hauptsächlich Fehler in der Entwicklung des Zentralnervensystems mit lokalen Wucherungen im Gehirn (Hyperplasien) und im Rückenmark. Aber auch die heterozygoten Merkmalsträger sind als semiletal anzusehen, da die vorgeburtliche Sterberate (pränatale Mortalität) außergewöhnlich hoch ist und dazu noch überdurchschnittlich viele Babys in den ersten zwölf Wochen an Skelett- und/oder Organanomalien sterben. Die Würfe von sind daher im Durchschnitt um 25% kleiner als bei normalen Katzen. Es ist daher wichtig, daß, wenn schon gezüchtet werden muß, nur robuste Tiere eingesetzt und immer wieder normalschwänzige Kurzhaarkatzen eingekreuzt werden, um die polygenen Letalfaktoren im Zaum zu halten. Es ist und bleibt jedoch eine Tatsache mit der sich jeder Züchter auseinandersetzen muß, die Manx-Zucht ist eine ausgesprochene Defektzucht mit erblicher Monstrosität.
Da hilft auch nicht der Verweis auf die Japanese Bobtail oder Mi-Ke-Katze. Hier ist immerhin ein Schwanz zwischen 9 und 15 cm Länge vorhanden. Die Kurzschwänzigkeit wird, wenn sich die Ein-Gen-Hypothese bewahrheitet, semidominant vererbt. Sie ist jedoch nie mit irgendwelchen Letalfaktoren gekoppelt, weder pränatal noch postnatal. Auch der Verweis auf die seit langer Zeit auf der Isle of Man (Manx ist die Bezeichnung für die keltische Ursprache der Bewohner) quasi wildlebende Form ist nicht schlüssig. Eine derartige Stabilität einer mit einem Letalfehler gekoppelten Mutation kann nur durch menschliche Präferenzen zustande kommen. So zeigen die sehr frühen Berichte über diese "außergewöhnliche" Katze, daß sie schon sehr früh, vielleicht sogar von Anfang an, in menschlicher Obhut war. Um die Herkunft der Manx ranken sich viele Geschichten und Legenden, von denen aber keine so glaubhaft ist, daß auf eine natürliche Entstehung der Manx in freier Wildbahn geschlossen werden kann.
Auf jeden Fall hat die Manx die wohl beste Public Relations aller Katzen, denn sie ist das Aushängeschild und die touristische Attraktion der Isle of Man. Inzwischen ziert die Manxkatze wohl alles, was man mit dem Bild einer Katze bedrucken kann, als Souvenir von dieser Insel. Ob das aber eine ausreichende Begründung am Festhalten dieser fragwürdigen Defektzucht ist?


Eingetragen von...
Name : Roland Fahlisch
Mein Link: http://www.katzenvilla.de

Ein Service des WEB & EDV-Service Guckel & Cattery-Manager