Werbung:
Werbung:
Rassebeschreibung
ÜBERSICHT ADMIN

Chartreux - Die echten Kartäuser

Chartreux – Chartreuse

1084 Gründung des Stammklosters La Grande Chartreuse des vom heiligen Bruno von Köln (1032-1101) gestifteten Kartäuserordens (Ordo cartusiensis) in einem abgelegenen Tal der Savoyer Alpen nahe bei Grenoble. Die Ordenstracht war aus weißem ungefärbten Ziegenhaar (wie es im Mittelalter (500-1500) üblich war) und niemals aus Katzenhaaren. Die strengen Regeln schrieben ein Leben in der Einsamkeit vor, aber seit Papst Gregor I. (der Große, 540-604) war die Haltung von Katzen in den Klöstern ganz offiziell erlaubt. Leider gibt es gerade in den Archiven dieser Abtei keinerlei Hinweise auf Katzen irgendwelcher Art. Allerdings wurde der Orden zweimal aus Frankreich verbannt (frz. Revolution 1789-1799 und Anfang des 20. Jh.), die Niederlassungen verfielen und die Archive fielen den Mäusen und Ratten zum Opfer. Auch ist das Stammkloster nur ein Überrest einer weit verbreiteten Ordensgemeinschaft. Vor der frz. Revolution waren es mehr als 30.000 Mitglieder in mehr als 200 klösterlichen Niederlassungen, eine davon an der Stelle des heutigen Jardin de Luxemburg in Paris.
1096-1291 Es ist die Zeit der Kreuzzüge. Vielleicht brachten heimkehrende Kreuzritter und Kaufleute diese Katzen aus dem vorderen Orient nach Frankreich, die der Gelehrte Aldrovandus (16. Jh.) in seinem in lateinisch geschriebenen Werk Über vierfüßige Tiere so beschreibt: ...eine Katze von aschgrauen Tönen..., die aus Syrien kommt, woher sie auch ihren Namen hat. Sie läßt sich leicht zähmen und jagt sehr gut. Sie hat eine abgerundete Schnauze, eine muskulöse Brust und starke Pfoten. Sie ist aufmerksam und wacht über das ganze Haus. Eine historische Abbildung der „Syrerkatze“ stellt eine einfarbig graue Kurzhaar-Katze mit kupferfarbigen Augen dar. Diese These der Herkunft wird noch dadurch unterstützt, daß die Vorfahren der französischen Katze auch „Malteser“ oder „Zypernkatze“ genannt wurden. Dabei darf man Syrien geographisch nicht mit dem eng begrenzten heutigen Staatsgebiet gleichsetzen.
1588 Aus den Versen auf den Tod einer kleinen Katze von Joachim du Bellay können wir entnehmen, daß rein graue Katzen in Frankreich schon bekannt waren.
17. Jh. In der Auvergne und in einigen Pariser Vierteln werden graublaue Katzen beschrieben. Sie dienen evtl. der Ernährung und ihr Fell wird von Gerbern verarbeitet.
1723 Savary des Bruslon gibt sein „Universales Wörterbuch des Handels, der Naturgeschichte und der Künste“ (in holländisch) heraus. Hier findet man die erste schriftliche Erwähnung der Chat des Chartreux als Katze der kleinen Leute mit bläulichem Fell, mit dem die Kürschner handeln. Das Fell der Kartäuser-Katze hatte den gleichen Wert wie ein Otterfell. Auch der eben neu eingeführten Angora-Katze ging es an den Pelz, wegen seiner Ähnlichkeit mit dem eines weißen Fuchses. Dort wird auch eine aus Spanien stammende Wolle von außergewöhnlicher Weichheit als „Pile des Chartreux“ (Kartäuserwolle) erwähnt. Vielleicht hat die Kartäuser-Katze wegen ihres weichen wolligen Fells eher daher ihren Namen. Eines ist zumindest sicher: Kartäuser wurden zu jener Zeit gesondert für sich gezüchtet und vielleicht auch in menschlicher Obhut gehalten. Allerdings war die dahinter stehende Absicht mehr praktischer als ästhetischer Natur. Jedoch sind mündliche Überlieferungen in Frankreich älter.
Ebenfalls aus diesem Werk stammt der Bericht, daß Kartäuser-Mönche eine blaue Katze aus Südafrika mitbrachten. Aber dort hat es nie eine Niederlassung des Ordens gegeben, denn das Land wurde von der holländisch-reformierten Kirche beherrscht. Aber es gab in Südafrika früher halbwilde blaue Katzen, deren Fell für medizinische Zwecke verwendet wurde.
18./19. Jh. Aus dieser Zeit stammen die meisten Berichte über blaue Katzen, aber die meisten Quellen sind in lateinisch, französisch oder holländisch geschrieben und daher für angelsächsischen Bücherregale uninteressant.
1735 Carl von Linné trennt in seiner Systema naturae die einfarbig blaue Kartäuserkatze als eigene Rasse von den Hauskatzen ab.
1756 Georges Louis Leclerc Graf von Buffon beschreibt in seiner Histoire Naturelle die Chartreux als „felis catus coeruleus“ und trennt sie ebenfalls von den gewöhnlichen Hauskatzen.
1771 Thomas Pennant veröffentlicht als Antwort auf Buffons Werk seine Synopsis of Quadrupeds. Er beschreibt darin die blaue Katze wie folgt: ...blaue Katze, die Kartäuser-Katze bei Buffon, wahrscheinlich herstammend vom Kap der guten Hoffnung...
1864 Erste Auflage von Brehms-Tierleben. Am Schluß des Kapitels über Hauskatzen nennt er die damals bekannten Rassen: Perser (damals Angora), Manx und an dritter Stelle Kartäuser. Er nennt nur diesen Namen und nicht ein einziges Mal kommt in seiner Beschreibung das Wort Chartreux vor. Interessanterweise erwähnt er auch die rote und die blaue Katze vom Kap der guten Hoffnung, ohne sie allerdings näher zu beschreiben.
1911 Die erste British Blue gewinnt den Titel „Best in Show“. Diese Katze war bereits durchgezüchtet aus Blauen von Hauskatzen-Würfen und eingekreuzten blauen Persern.
seit 1930 züchteten Demoiselle Leger auf der Belle Ile en Mer Kartäuser, wo auch eine natürliche Katzenpopulation mit graublauem Fell und orange Augen lebte. Pikanterweise existiert auf dieser Insel heute noch eine Kartäuserabtei, aber nicht dort, wo die Population lebte. Ein französischer Tierarzt gibt der Chartreux sogar einen eigenen wissenschaftlichen Namen: Felis catus cartausianorum.
1934 Erster Standard für Kartäuser.
nach 1945 EKH und BKH bekommen den gleichen Standard, in den die Kartäuser als British Blue eingehen. Alle drei Spielarten dürfen miteinander gekreuzt werden. In die blauen Kurzhaar werden Perser eingekreuzt (wegen Fell, rundem Kopf und Augenfarbe). Die Chartreux werden mit den neu importierten British Blue gekreuzt, um die schmale Zuchtbasis zu verbreitern. Daraus ergab sich die Katze, die wir heute Kartäuser nennen und die sich sehr wohl von der Chartreux unterscheidet, mehr als von der British Blue.
1958 Auf der bretonischen Insel Brehat geht die Kartäuser-Population wegen der hohen Inzuchtrate unter.
1977 Der alte Kartäuser-Standard (BKH blau) wird wieder reaktiviert und die Chartreux (oder Chartreuse) wir als eigene Rasse endgültig abgetrennt.
1980 veröffentlicht Mr. Simonnet, der erste Geschichtsschreiber der Rasse, sein Buch Le Chat des Chartreux und berichtet, daß kleine geschlossene Kartäuserpopulationen relativ häufig in Frankreich zu finden sind. Unter anderen fand er seiner Heimatstadt Paris wohl auch die Population, aus der La Chatte, die berühmte Katze der ebenso berühmten Schriftstellerin Sidonie-Gabrielle Colette (1873-1954) stammte. Bezeichnenderweise war dort früher das Viertel der Pelzhändler und Gerber. Simonnet interpretiert seine Recherchen wie folgt: Russisch Blau und Chartreux könnten in dem Gebiet des heutigen Iran/Irak einen gemeinsamen Ursprung haben. Über die nördlichen Seehäfen kam die „Archangelsk-Katze“ zur Zeit Elisabeth I. (1558-1603) und über die südliche Route die „Malteser“ oder „Zypernkatze“ während der Kreuzzüge nach Europa.
1982 Die kompakten, kräftigen BKH werden von den schlankeren EKH getrennt.

Wie auch immer man die geschichtlichen Ereignisse interpretiert, Tatsache ist, daß blaue Katzen schon immer etwas besonderes für den Menschen waren, sei es nun in positivem oder negativem Sinn. So ist es nicht verwunderlich, daß man blaue Katzen, insbesondere blaue Kurzhaar-Katzen, schon immer in der Obhut des Menschen findet, sei es als Fell- oder Fleischlieferant, als Projektion des Bösen im Mittelalter oder als Begleiter, Mitbewohner und Mäusejäger. Das Erstaunliche ist, daß sie nie in der Masse der Hauskatzen untergingen, sondern ihr besonderes Genpaket sich immer durchgesetzt hat. Sicher haben auch Mönche Katzen beherbergt und manche sogar blaue. Das ist aber wohl die einzige Verbindung zwischen den Kartäuser-Mönchen und den Kartäuser-Katzen.

In England galt bis zum Ende des 18. Jh. die einfarbig blaue BKH als die Rassekatze schlechthin. Weil sie von der Kartäuser-Katze oder Chartreux des Festlandes nichts wissen konnten oder wollten (schließlich waren ja alle Schriften darüber in lateinisch oder französisch abgefaßt) haben sie ihre blauen BKH schließlich (vielleicht aufgrund ihrer Handelsbeziehungen mit Holland und deren Verbindungen zu Spanien) Kartäuser genannt. Die ursprüngliche Chartreux, die blaue Katze des Kontinents diente nur als Genlieferant für die British Blue. Schließlich muß man auch noch bedenken, daß die „alte“ Literatur uns ziemlich im Unklaren läßt, was gemeint ist: Chartreux oder Kartäuser. Die ältesten Belege beziehen sich sicher auf die Chartreux, „neuere“ Berichte bringen sicher die ursprüngliche Chartreux und die britischen und schließlich nordeuropäischen Kartäuser immer wieder durcheinander. Dazu hat sicher auch die Gewohnheit der Amerikaner, Sammelbegriffe zu benutzen, beigetragen. So wurde eine Zeit lang häufig die Bezeichnung Kartäuser für jede beliebige blaue Kurzhaar-Katze verwendet.

Sicher ist, daß die nordeuropäischen und britischen Kurzhaar-Katzen, die wir heute BKH und EKH nennen wahrscheinlich von den Römern vor 2000 Jahren eingeführt wurden. Von England aus sind sie dann in die Neue Welt geraten (Mayflower 1620) und haben sich dort neben den dominierenden Maine Coon als American Shorthair weiterentwickelt. Die British Blue stammt somit eher aus Südeuropa oder dem vorderen Orient, womit die Verbindung zur Chartreux durch die Hintertüre wieder hergestellt ist. Beide Rassen, Chartreux und Kartäuser, sind vor Einkreuzungen und Kreuzungen miteinander nicht verschont geblieben. Aber beide Rassen sind heute wieder so stabil, daß die reinrassige Zucht für die Liebhaber beider Rassen oberstes Gebot sein sollte.


Eingetragen von...
Name : Roland Fahlisch
Mein Link: http://www.katzenvilla.de

Ein Service des WEB & EDV-Service Guckel & Cattery-Manager