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Der verschämte Blick
Der verschämte Blick. Von der Konstruktion des Hässlichen bis zur Verkitschung der Entstellung • © Fritz Franz Vogel • ISP WS 2002/2003 • 1
Von der Konstruktion des Hässlichen bis zur Verkitschung der Entstellung
Zugriff 3.
Die körperliche Anomalie als exotisches, zirkustaugliches Ereignis: Freaks,
Haarmenschen, Siamesische Zwillinge, Riesen und Zwerge (ab 1860)
Versuchen wir erst einen kleinen Abstecher in die Welt der Schaustellerei, um den
fruchtbaren Boden zu sondieren.
Bereits im ausgehenden Mittelalter gibt es spezifische Einrichtungen, um betroffene
Menschen zu internieren: Toll- und Narrenhäuser, Narrentürme. Dieter Mattner erwähnt, dass
einige Wärter bekannt waren «für ihr Geschick, den Irren mit knallender Peitsche bestimmte
Kunststücke zu entlocken. Die betroffenen Menschen wurden wie Tiere in käfigartigen
Verschlägen angekettet, durch Gitter versorgte man sie mit Nahrung und entfernte das
verschmutzte Stroh mit Harken von außen.»1 Doch diese Praxis lässt sich nicht generalisieren,
doch lässt sich darin bereits ein Unterhaltungswert der Anomalie ablesen. Und auch bei den
Flugblättern der Renaissance waren wir uns nie ganz so sicher, ob dahinter nicht auch ein
Markt für das visuelle Ereignis steckte.
Die Unterhaltungsindustrie beginnt nach 1700 in England mit dem Bau von exotischen Parks
(künstliche Lustbarkeiten in Form von chinesischen Gärten und antiken Ruinen: Vauxhall
1732, Ranelagh 1742) und Erholungsgebieten (1766 Wiener Prater). 1782 richtet der
Engländer Astley den ersten beständigen Zirkus ein. Etwas später verschiebt sich bei den
wiederkehrenden Jahrmärkten das Gewicht vom Warenverkauf zugunsten von Attraktionen
(1802 öffnet in London Madame Tussaud ihr «Chamber of horrrors», 1810 Münchner
Oktoberfest). Zu Beginn des 19. Jahrhunderts eröffnen verschiedene Panoptiken, in denen die
Schaustellung menschlicher Abnormitäten zu den Attraktionen gehörten (Passage-
Panoptikum und Castans Panoptikum in Berlin, Hammers Panoptikum in München, Veltées
Stadtpanoptikum in Wien). Zeitgleich eröffnen feste Jahrmärkte ihre Pforten (1795 Tivoli in
Paris, 1843 Tivoli in Kopenhagen) und bringen mit neuen Errungenschaften der mobilen
Mechanik (1865 Erfindung der Dampfmaschine, ab 1885 Exzentermechanik beim so
genannten Schiffkarussell, ab 1892 Elektrizität zum Antrieb) neuen Schwung (Karussell;
eingeseifte «Montagnes russes», die Vorläufer der Berg- und Talbahn; Riesenrad). Unter dem
Motto «drehen, gleiten, fliegen» löst sich der Unterhaltungszauber gegen Ende des
Jahrhunderts vom Jahrmarkt ab und etabliert sich als eigenes, örtlich fixiertes Genre, aber
auch als mobiles Schaustellergewerbe mit je spezifischer Plakatwerbung (1882 Böhmischer
Prater in Wien). Dazu gesellen sich so genannte Völkerschauen, die die BewohnerInnen und
Sitten fremder, vor allem südlicher Länder ins kalte Europa bringen (1874 Carl Hagenbeck
mit Lappländern in Deutschland, dann afrikanische Neger, amerikanische Indianer,
Singalesen, Malayen, Eskimos (Inuit), Giraffenfrauen aus Burma usw.). In den 1890er Jahren
sind eine nie gesehene Vielfalt des Schausteller- und Artistengewerbes unterwegs. Allein in
Europa machen 120 Zirkusse und noch mehr Manegen ohne Zeltdach und reisende Theater
die Runde. In seinem «Artisten-Lexikon» zählt Signor Saltarino 1895 folgende Berufe auf,
hier als Abecedarium gelistet: Aeronaut, Affendarsteller, Ascensionist, Athlet, Bajazzo,
Balanceur, Batoudespringer, Champion-Boxer, Clown, Dresseur, Equilibrist, Fantoches-
1 Mattner, Dieter: Die Erfindung der Normalität. In: Der (im)perfekte Mensch. Vom Recht auf
Unvollkommenheit. Ostfildern-Ruit 2001, 13–32, 17.
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Spieler (Marionettenspieler), Faustkämpfer, Feuermaler, Illusionist, Imitator, Improvisateur
und Stegreifhumorist, Jongleur, Kakadudresseuse, Kautschukdame, Kettensprenger,
Knockabout, Kraftdame, Kraftturnkünstler, Kunstpfeifer, Kunstreiter, Kunstschütze,
Löwenbändigerin, Luftgymnastiker, Luftschiffer, Magier, Maultrommler, Messerwerfer,
Mimiker, Monocyclist, Musical-Excentrique, Pantomimist, Parforce-Reiterin, Parodist,
Parterrespringer, Pistonbläser, Prestidigitateur (Gaukler, Taschenspieler), Radfahrer-
Excentrique, Rechenkünstler, Reckkünstler, Ringkämpfer, Saltomortale-Reiter, Saltomortale-
Springer, Schattensilhouettist, Schnellläufer, Schnellzeichner, Schwimmkünstler, Seiltänzer,
Spatentänzer, Stehendreiter, Stelzenkünstler, Tänzerin, Tierstimmen-Nachahmer,
Tintamaresque-Spieler (Karikatur-Theater), Turmseilläufer, Ventriloquist (Bauchredner),
Voltigeur (Turnen auf einem trabenden oder galoppierenden Pferd), Zahn-Athlet,
Zauberkünstler.
Bei lokal fixierten Schaubudenstädten werden damit die Kosten für den Transport der
vergrösserten Betriebe gespart und die Rentabilität erhöht. Die zu Beginn des 20.
Jahrhunderts entstehenden Vergnügungsparks (1904 Dreamland Park auf Coney Island in
New York, Lunaparks in Paris und Berlin, 1909 in Köln, 1912 in Hamburg) und im Angebot
verdichteten Budenstädte (z.B. mit Velo-Looping) bekommen vor allem seit 1950 massierten
Zuwachs (Freizeitparks). Das Disneyland-Konzept verschmilzt in Amerika in den 1940er
Jahren das Knowhow von Film (Kulisse und Figur) und Marke und fasst mit dem
Exportartikel (Kohärenz von Film und Park) Anfang der 70er Jahre in Europa Fuss.
Technische Neuentwicklungen und die Einführung von Pneumatik und Hydraulik aber 1950
ermöglichen eine enorme Erweiterung der Bewegungsabläufe mit völlig neuen Fahreffekten.
Neuste Tendenzen verkitschen die Highlights des naturellen und kulturellen Welterbes zu
einem Traumland und propagieren es als lebens- und arbeitswerte Konsummetropole der
Zukunft (1995ff Kuala Lumpur). Soweit der technisch-zeitliche Hintergrund für das
Schaustellergewerbe.
Der US-Amerikaner Phineas Tylor Barnum (1810–1891) war der erste, der mit menschlichen
Missbildungen, resp. deren extravagante Leistungen, Geschäfte im grossen Stil machte. Im
Laufe seines Lebens nahm er Hunderte von Menschen mit Missbildungen unter Vertrag und
verdiente dabei ein Vermögen. 1841 übernahm er das marode «Scudder’s American
Museum» mitten im Geschäftszentrum von New York. Das darin enthaltene «cabinet of
curiosities» machte er zum Herzstück des Museums, sodass das Museum 1850 zu einer der
feinsten Adressen New Yorks zählte. Nach einem Brand im Jahre 1868 zog er sich vom
Museumsgeschäft zurück, beteiligte sich aber 1871 an einem Zirkus, in den er die
Attraktionen seines Museums integrierte. Damit tourte er in Amerika und in Europa als «The
Barnum & Bailey Greatest Show on Earth» BILD mit ihren «peerless prodigies of physical
phenomena and great presentation of marvelous living human curiosities» als «the world’s
largest, grandest, best amusement institution»2 (Plakattext). Der menschliche Kuriositätenzoo
war dermassen erfolgreich, weil er anscheinend ein auf Sensationen gieriges Schaubedürfnis
befriedigte und die Einbindung der ‹Launen der Natur› – The bearded lady, The moss haired
girl, The double bodied wonder, The living skeleton, The egyptian giant u.a.m. – in einen
artistischen Zirkusrahmen vom Publikum nicht als Affront empfunden, sondern mit Spass
goutiert wurde. Ganz wichtig für ihn war die Reklame als wichtigstem Werbeträger (andere
Massenmedien, ausser überregionale Zeitungen, gab es noch). BILD Zudem erkannte er, dass
das Interesse für Abnormitäten stieg, wenn wichtige Zeitgenossen, vor allem berühmte Ärzte,
diese Personen untersucht hatten und somit für ihn Werbung machten. Ein untersuchter
Abnormer war auch besser zu vermarkten, weil damit das Risiko des Schwindels ausser
Betracht gesetzt wurde.
2 Abbildung in: Scheugl, Hans: Show freaks & monster. Köln 1978, 26.
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Nach dem Tod von Barnum übernahm James A. Bailey den Zirkus allein und führte ihn
erfolgreich weiter. Er fand nicht nur mehrere Nachahmer, sondern es entwickelten sich auch
Ableger unter dem Namen Barnum & Bailey. Nach Vorführungen in Zürich, St.Gallen,
Winterthur und Schaffhausen gastierte er 1902 in Basel.
Die Abnormitäten wurden in Zirkussen zumeist in sogenannten Sideshows gezeigt, also
zusätzlichen Zelten mit separaten Eingängen. Im Gegensatz zu Amerika setzten sich diese
Zirkus-Erweiterungen in Europa jedoch kaum durch. Erst in den 1920er Jahren tourten auf
diese Weise die 1884 gegründeten Ringling Brothers, die um 1920 mit Barnum&Bailey
fusioniert hatten. BILD BILD
Zu den Jahrmarktsattraktionen gehörten bereits um 1830 Knochengerippe von Missgeburten.
Totgeburten wurden präpariert oder in Einweckgläsern präsentiert. Tiere wurden z.T.
ausgestopft und in besonderen Schaukästen im Sinne eines Gruselkabinetts gezeigt. Im Musée
zoologique cantonal in Lausanne finden sich u.a. ein ausgestopftes Kalb mit 2 Köpfen, eine
Ziege mit 6 Füssen und ein siamesisches Schaf aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Das Musée d’histoire naturellle in Genf beherbergt in seinem Bestand aus der Zeit von 1830
solche beschrifteten Ungeheuer: So u. a. eine ausgestopfte Ente mit 3 Ohren, 3 Augen und 4
Beinen; ein Schafsgerippe als «monstre double»; ein weiteres Gerippe mit 2 Wirbelsäulen
eines 8-füssigen Zickleins; ein ebensolches Gerippe eines Schweins mit 8 Füssen; schliesslich
das Gerippe eines 8-monatigen Fötus und ein weiteres Embryogerippe mit Anzeichen von
Anenzephalie (Hirnlosigkeit) und spina bifida (offener Rücken).3
Für Basel sind bereits an der Herbstmesse 1853 lebende Sehenswürdigkeiten und
Besonderheiten nachgewiesen. Von 1854 bis 1856 wurden Riesen gezeigt, 1857 folgte ein
Zwerg, 1858 erstmals ein Albino. Nach 1860 wurde das Geschäft mit den Abnormitäten
diversifiziert. Neu zu sehen waren ‹Bartfrauen›, ‹Mundkünstlerinnen›, ‹Fusskünstlerinnen›
oder eine ‹femme colosse›. Erstmals wurden Elemente von Völkerschauen direkt mit
Menschen mit Missbildungen in Zusammenhang gebracht. So wurden 1866 ‹Neger und
Albinos› ausgestellt. In späteren Jahren waren vor allem Kleinwüchsige, so genannte
Liliputaner (benannt nach den fiktionalen Ländereien in «Travels into several remote nations
of the world by Lemuel Gulliver» (1726, «Gullivers Reisen» 1904 dt.) von Jonathan Swift
(1667–1745)) anwesend.
Lebende Kinder mit seltenen oder spektakulären Missbildungen waren für ihre Eltern oder
deren Agenten auch eine wirtschaftliche Möglichkeit, denn diese Kinder oder Erwachsenen
konnten für ein Entgelt öffentlich präsentiert werden. Sie zogen mit wandernden
Schaustellern umher und zeigten sich auf Jahrmärkten, bei Kirchweihen und anderen Festen.
Wenn sie ‹gut genug› waren, reisten sie alleine, mieteten sich eine Absteige und liessen sich
besichtigen, oder schickten einen so genannten Quartiermacher voraus, der Auftritt und
Unterkunft im nächsten Ort organisierte. Manche Einzelreisende wurden in Hotelzimmern
vorgeführt, später im Säli von Wirtshäusern oder in Bierhallen präsentiert.
Riesen, Zwerge, Haar- und Rumpfmenschen, siamesische Zwillinge und parasitäre
Zwillingsmissbildungen gehörten zum ‹fahrenden Volk›, das weitgehend rechtlos von Ort zu
Ort zog. Ihre sichtbare Pathologie wurde zum visuellen Reiz, das Stigma zum
Ausstellungsgegenstand. Sie wurden in Zeitungsannoncen angepriesen: «Das Riesenkind, 8
Jahr alt, 5 Fuß groß und 226 Pfund schwer. Täglich während der Messe ist dieses
merkwürdige Mädchen in der hierzu erbauten Bude zu sehen. Ich enthalte mich des sonst
gebräuchlichen Renommirens und verweise nur auf das große Aufsehen, welches das Kind
überall und namentlich bei wissenschaftlichen Autoritäten erregte» (Schweizerischer
3 Messen-Jaschin, Youri / Dering, Florian / Cuneo, Anne / Sidler, Peter: Die Welt der
Schausteller vom XVI. bis zum XX. Jahrhundert. Lausanne 1986, 198–203.
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Volksfreund, 6.11.1869). Aber auch über 50 Jahre später und nach dem 1. Weltkrieg tönte es
noch gleich: «Lionel der einzig echte Löwenmensch der ganzen Erde» (Plakat4 und Inserat in
National Zeitung 27.10.1922), «Prinzessin Elisabeth die kleinste und zierlichste Dame der
Welt, genannt die lebende Puppe» (National Zeitung 27.10.1922), «Mariana, das lebende
Gorilla-Mädchen! Halb Mensch! Halb Tier! Halb Weib! Halb Gorilla! […] In Begleitung auf
der Tournee durch die Schweiz befinden sich Rosa Violetta, die lebende Schaufensterbüste,
50 cm gross, 18 Jahre, ohne Arme und ohne Beine, schreibt, malt u. näht mit dem Munde.
Reizend! Entzückend! Goldig! Der Liebling der Frauen und Kinder. Ausserdem: Pleche, der
grösste Indianerriese der heutigen Zeit, genannt der amerikanische Machnow [nach dem
längsten Russen; auch hier bereits ein Wettlauf zwischen den USA und Russland], komplett
2,45. Seine Mutter war eine Deutsche, er ist in Deutschland erzogen und gross geworden. Der
Clou der Gegenwart. Das Kleinste vom Kleinen. Die niedlichste Weltdame Prinzeß Frou Frou
genannt die lebende Teepuppe. Sämtliche 4 Abnormitäten werden im amerikanischen
Prachtbau, ohne Nachzahlung gezeigt. Es ladet ein Die Direktion.» (National Zeitung
26.10.1922) oder schliesslich «Magda Gliedfa der Mensch mit den biegbaren Knochen im
Leibe».5
Die Ausstellenden hatten weniger ihre Kultur zu vermitteln, als den Kanon von Fertigkeiten
und Kunststückchen abzuspulen. Es ging hier nicht um handwerkliche Tätigkeiten im Sinne
eines bürgerlichen Nutzens, sondern um fiktionale, von der Realität abgekoppelte
Schwierigkeitsgrade. Die Präsentationen wurden zum Sport, zum Wettbewerb, zur
Performance, zur Show. Je schwerer oder exklusiver die Darbietung, um so reizvoller für die
Zuschauenden.
In dieser Zeit um 1870 liegt der Ursprung der Vermarktung von sich selbst, oder besser, die
Vermarktung eines konsumierbaren Bildes von sich selbst. Die fotografischen Inszenierungen
im Cabinet-Format (Fotopapier 140x102 mm auf Karton 165x108 mm) waren
dementsprechend auf- und überfüllt mit extravaganten, vielfach von Europa importierten oder
ideell von dort verfeinerten und antikisch überformten Requisiten und Anspielungen an den
bürgerlichen Lebensstil mit seiner urbanen Vision einer pseudonatürlichen Welt: Auch die
wildesten Szenen sind bloss mit häuslichen Pflanzen garniert, die in Töpfen wuchern, nebst
den Papierpflanzen, dem textilen Gras und den Säulen und Felsen aus Papiermaché ein
typisches Inszenierungsmoment der romantisierenden Kultur des viktorianischen Zeitalters
(Königin Victoria regierte in England von 1837–1901), die zwischen dem Exotisch-Wilden
und dem Bürgerlich-Zivilisierten frei flottiert. Diese Üppigkeit war ein Garant für das Affektund
Effektvolle; man suhlte sich in den Studiostaffagen, man bettete sich in ein perfektes
Environment mit exotischen Pflanzen, die zugleich ein Statement über die soziale Position
abgaben, dessen man sich heute nicht mehr bewusst ist. Man machte sich zum Bestandteil der
Geschichte, indem man sich in historisierenden und eklektischen Kulissen ein- und
verkleiden, ja verzaubern liess. Das Porträtstudio war die visuelle Vergrösserung der
Mediokrität und Inferiorität. Man spielte grossbürgerliche Grandezza, wähnte sich im Theater
und merkte kaum, dass damit andere das Geld machten, dass man ein Modul in der
Geldmaschinerie war. Die Fotografien spielten mit einem Reiz zwischen der Figur, der Person
und dem Umfeld, dem inszenierten Interieur. Aus der Differenz ergab sich ein Leben hinter
dem Bild, eine Ahnung des Lebens jenseits der Inszenierung. Der Mensch mit seiner
Anomalie war nicht, wie in den Fotografien von Berühmtheiten, eine Ikone, sondern ein Fakt,
ein faktum brutum.
4 Abbildung in: Scheugl, Hans: Show freaks & monster. Köln 1978, 32.
5 Messen-Jaschin, Youri / Dering, Florian / Cuneo, Anne / Sidler, Peter: Die Welt der
Schausteller vom XVI. bis zum XX. Jahrhundert. Lausanne 1986, 195f.
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Das Konzept des Amusements und der Unterhaltung gedieh in einer Zeit, in der sich erstmals
ein Begriff von Freizeit etablierte und vor allem die in der Fabrik arbeitenden Menschen
erreichte. «The urban workers who came to stare at freaks were by and large an
unsophisticated [unkultiviert, unintellektuell] audience in search of cheap and simple
entertainment. What they saw brought wonder and the exotic into hard lives and, in a
primitive way, satisfied a desire for instruction [Belehrung]. As entertainment the freak shows
were an escape from the reality of industrial labour. In viewing them one escaped from the
world of applied sciences, chemistry and engineering, into a fantasy about another science –
natural history.»6 Somit erreichten die Freak Shows also soziologisch vor allem eine
arbeitende Bevölkerung, die mit einer kostengünstigen Zerstreuung bedacht wurden.
Da die Schausteller ihre Trophäen mit speziellen Namen ankündigten, wollen wir sie auch in
dieser Form anschauen. Sozusagen eine visuelle Show, um die Bandbreite der Darbietungen
aufzuzeigen.
Charles Eisenmann (1850–nach 1904), Theaterfotograf mit baden-württembergischen
Wurzeln, mit einem Faible für die von Seiten von Ärzten als «Monster» klassifizierten
Menschen seiner Zeit, fotografiert, zusammen mit seiner Frau Dora, ebenfalls Fotografin, die
Ausgestossenen auf die gleiche Art und Weise wie andere Fotografen berühmte und gefeierte
Personen in ihren Broadway Studios in Szene setzten. Er fasste nach dem amerikanischen
Sezessionskrieg (1861–1864) Fuss in New York und begann das aufkeimende Schaustellerund
Entertainergewerbe zu fotografieren. Die Berühmtheiten in spe brauchten einerseits zur
Eigenwerbung Bilder von sich, anderseits gab es einen öffentlichen Sammlerbedarf,
Visitenkarten von Berühmtheiten, von Stars und Starlets nach deren Show zu kaufen (Von
Abraham Lincoln verkauften sich z.B. 100’000 Visitenkarten, also Originalfotos, sodass er
später bekannte, der Fotograf und die Vertriebsfirma hätten ihm mittels dieser Werbung zur
Präsidentschaft verholfen)7. 1893 verkaufte Eisenmann sein gesamtes fotografisches
Equipment, weil die Blütezeit des Gewerbes in New York vorüber war.
Die Freaks
• Princess Lucy Fisher (1867–1???): «The little lady», Aufnahme von Carl Eisenmann ca.
1888
BILD Wir sehen eine Schaukel in einem orientalisch angehauchten Interieur mit dem
filigranen Schmiedewerk im Hintergrund. Interessant ist die Kinderperspektive, die mittels
der Schaukel konstituiert wird. Man hat das Gefühl, in diesem weichen Licht, draussen zu
sein. Als Zwergin heiratete Princess Lucy Fisher ebenfalls einen Zwergen, der unter dem
Namen General Ribenbeck in Shows auftrat.
• Eli Bowen (1844–1???): «The legless acrobat», Aufnahme von Carl Eisenmann vor 1880
BILD In Ohio geboren, das einzige abnormale Kind von 10 Kindern. Behinderung:
Phokomelie (Absenz der Beine, die Füsse sind direkt an den Unterkörper angewachsen)
aufgrund eines Wachstumsfehlers während der ersten 6 Wochen der Schwangerschaft. Er
trainierte seine Arme und generierte daraus Kunststücke, Klettereien und artistische
Schwünge. Er war bereits als 13-Jähriger im Zirkus engagiert. Die beiden älteren Buben
6 Mitchell, Michael: Monsters of the gilded age. The photographs of Charles Eisenmann.
Toronto/Vancouver/Calgary/Montreal 1979, 28.
7 Mitchell, Michael: Monsters of the gilded age. The photographs of Charles Eisenmann.
Toronto/Vancouver/Calgary/Montreal 1979, 15.
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imitieren in Haltung und Gestik ihren Vater. Sie untermauern damit den Stand der Familie, sie
zementieren eine Binnenstabilisierung. Das Familienbild gibt uns zu verstehen, dass solcher
Art Behinderte zwar nicht auf der Sonnenseite des Lebens lebten, aber auch nicht ein
Schattendasein in irgend einer Institution ohne Aussen- und vor allem Sexualkontakte fristen
mussten. So sehen wir Eli Bowen als Freak und als Vater, also als bürgerlichen und zugleich
antibürgerlichen Menschen. Die Familie ist die Ressource für den zwangsläufigen Beruf als
Artisten.
• Charles Tripp (ca. 1860–1939): «Armless Wonder», Aufnahme von Carl Eisenmann ca.
1885
BILD Der Kanadier Charles Tripp lernte bereits als Knabe mit seinen Füssen schreiben,
rasieren und sich kämmen. Er wurde ein Schnitzer. Als P. T. Barnum ihn sah, engagierte er
ihn auf der Stelle, sodass er für die weiteren Jahre mit ihm und in anderen Zirkussen um die
Welt tourte.
Um den Fotografierten herum sind seine Fähigkeiten ausgebreitet: Nähwerk, Schreibtafeln,
Schneid- und Dekorationsarbeiten. Der Tee im Hintergrund suggeriert, dass er sich auch
allein verköstigen kann. Die Sackuhr an der Kette verleiht ihm nebst der Inszenierung mit
Fliege einen gutbürgerlichen Touch.
• Nikolaj Wassiliewitsch Kobelkoff aus Troizk, Gouvernement Orenburg (1853–19??)
BILD Saltarino schreibt: «Der Rumpfkünstler sitzt dabei neben einem Tisch, auf welchem
das Material für seine Schaustellungen liegt; er ergreift einen Federhalter und klemmt ihn
zwischen Armstummel und Backe ein, dann taucht er die Feder in die Tinte und schreibt mit
sehr schön geschwungener Schrift seinen Namen auf Papierstücke, die er vorher mit einer
Schere zurechtgeschnitten hatte, und die er dann den Zuschauern als Visitenkarte überreicht.
Auch entwirft er mit Bleistift oder Pinsel Zeichnungen von beliebigen Gegenständen auf
Papier. Weiter ergreift er eine Flasche, nimmt deren Stöpsel ab, giesst sich in ein Glas ein,
stellt dieses auf seinen Arm und setzt es an seine Lippen. Er ergreift eine Gabel, sticht damit
kleine Brotstücke an und führt sie zum Munde. Auch den Löffel handhabt er – wenn man hier
dieses Wort gebrauchen darf – in ähnlicher Weise. Er zieht die Uhr aus einer Tasche seines
Rockes, öffnet ihren Deckel durch einen Druck auf den Knopf und steckt sie wieder in die
Tasche. Mit Armstumpf und Lippen gelingt es ihm, eine Nadel einzufädeln; er versteht es, ein
Pistol zu ergreifen, zu laden und mit gutgezieltem Schuss eine Kerze auszulöschen.»8 Wie wir
hören, wirkt der Kanon der ausserordentlichen Leistungen seit dem Augsburger Flugblatt von
1651 (Magdalena Rudolfs) nach.
• Carl Herrmann Unthan (1848–1929)
BILD Als Kind legte er sich die Geige auf einen Schemel und führt den Bogen mit den
Zehen. Im Konservatorium in Leipzig erhielt er Musikunterricht, später folgten zahlreiche
Tourneen, vor allem in Zirkussen und Variétés. Zu seinen Auftritten gehörte u.a. auch das
Spielen auf einer Trompete, das Schreiben auf einer Schreibmaschine und das
Kunstschiessen. Der Romancier Gerhart Hauptmann, den er auf seiner zweiten Überfahrt nach
Amerika kennenlernte, macht ihn in seinem Roman «Atlantis» zum Vorbild seiner
Romanfigur Arthur Stoß. Unthan spielte 1913 die Hauptrolle im Film «Der Mann ohne
Arme». Während des 1. Weltkrieges hielt Unthan in Lazaretten Vorträge vor Soldaten, die im
Kampf ihre Gliedmassen verloren hatten.
8 Fahrend Volk. Abnormitäten, Kuriositäten und interessante Vertreter der wandernden
Künstlerwelt. Von Signor Saltarino. Leipzig 1895. Reprint Berlin 1978, 109f.
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• Moung Phoset & Mah Phoon: «The sacred hairy family of Burma», Aufnahme von Carl
Eisenmann 1887
BILD Die als Hypertrichosis bekannte Krankheit ist dominant vererblich, so dass die
Chancen, diese sehr seltene Krankheit zu bekommen, bei Kindern mit solchen Eltern zu 50%
besteht. Die Haare bedecken dabei den gesamten Körper ausser die Handinnenflächen und die
Fusssohlen. Meist tritt die Krankheit kombiniert mit Zahnminderwuchs und geistiger
Behinderung auf. Auf dem Bild ist die Mutter mit dem Sohn zu sehen. Haarmenschen
kommen in den Freak Shows überproportional häufig vor, weil sie selbst für die Mediziner
eine absolute Rarität sind.
• Jo Jo: «The russian dog face boy» (ca. 1868–19??), Aufnahme von Carl Eisenmann ca. 1884
und 1887
BILD Die selbe Krankheit in zwei weiteren Aufnahmen eines russischen Bürgers, der in
Amerika durch Nick Forster gemanagt wurde. Er firmierte auch unter der Bezeichnung «The
human sky terrier» oder als «L’homme chien». Begleitend zu seiner Hypertrichosis
lanuginosa hatte er bloss vier Zähne. Interessant ist die Inszenierung zwischen dem Wilden
und dem Zivilisierten. Vor allem die Mähne ist so gestriegelt, um hinter dem Tier den
Menschen sichtbar zu machen. Hier wird sozusagen die Wildnis (der Dekoration) verlassen,
um selber ein Jäger mit Gewehr in der Wildnis zu werden. Dieser Rollentausch scheint von
Eisenmann bewusst in Szene gesetzt worden zu sein.
• Ashbury Benjamin: Aufnahme von Carl Eisenmann ca. 1885
BILD Der so genannte Piebaldismus oder lokal fehlende Pigmentierung wirkt vor allem bei
dunkelhäutigen Menschen wie hier bei Menschen aus der Karibik. Der 14-jährige Junge zeigt
die häufigste Form dieser selbst entstehenden Aberration, nämlich eine nicht pigmentierte
Stirn, was sich auf die Haare auswirkt, und einen gescheckten Bauch.
Im 19. Jahrhundert wurden diese Menschen als Leoparden-Jungen bezeichnet, oder, rassisch
motiviert: «negroes turning white».
• Fanny Mills: «The Ohio big foot girl», Aufnahme von Carl Eisenmann in den 1880er Jahren
BILD Fannys Vater soll 5000 Dollar geboten haben für denjenigen, der bereit war, das
Mädchen zu ehelichen. Als Supplement war er bereit, seine gut bestückte Farm zu veräussern.
Die als Elefantiasis bekannte Krankheit ist eine Lymphdrüsendysfunktion, bei der das
Bindegewebe der Haut und Unterhaut wuchert und die davon befallenen Glieder immer mehr
anschwellen lässt.
Eisenmann machte mehrere Aufnahmen dieser Frau, u.a. auch ein Nacktbild, das die Würde
und Ruhe, ja beinahe die Melancholie in diesen Bildern zerstörte.
• Felix Wehrle: «The elastic skin man», Aufnahme von Carl Eisenmann um 1880
BILD Das dominant vererbbare Ehlers-Danlos-Syndrom besteht darin, dass die Haut kein
Bindegewebe enthält und sie sich deshalb, ohne zu reissen, sehr dehnen lässt. Dennoch
musste man Rücksicht nehmen auf die Blutgefässe, damit diese nicht rissen und sich
Hämatome bildeten. Meistens können Menschen mit dieser Anomalie auch die Fingergelenke
auskugeln und nach hinten stülpen. Da die Gelenkpfannen so locker sind, verrenken sich
diese Menschen sehr oft und leiden an Knorpelschwund.
• Peter Spanner (um 1876–19??)
BILD Saltarino schreibt 1895 zum Phänomen der Gummihaut von Peter Spanner: «Seine
Haut vollkommen in der Gewalt hat, aber nichts weniger denn ein Künstler ist der
zwanzigjährige Schneidergeselle Peter Spanner aus Augsburg, der seit zwei Jahren als
Hautmensch in der Welt herumreist. Dieser sonderbare Jüngling ist in der Lage, die dehnbare
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Umkleidung des menschlichen Körpers förmlich von der Oberfläche des letztern abzuziehen
und viele Centimeter von ihm auszuweiten, als ob die Haut ein enganliegendes tricotartiges
Kleidungsstück sei, das man der Bequemlichkeit wegen aus seiner enganschliessenden Lage
von Zeit zu Zeit zu lüften versucht. So zieht beispielsweise Peter Spanner seine Haut vom
Rücken gegen 25 cm weit hinweg; die Hautumkleidung des Halses und der Brust weiss er mit
beiden Händen so vor sein Gesicht zu ziehen, dass man vermeint, eine leicht rosa gefärbt
Gummihülle vor sich zu sehen, in welcher sich die Nasenspitze als plastische Erhöhung zeigt.
Höchst merkwürdig und sonderbar sieht es auch aus, wenn der ‹Hautmensch› mit den
Fingerspitzen die Wangenhaut zu einer des Mass alles Denkbaren übersteigenden
Dehnbarkeit zwingt, oder wenn er dicht über den Knieen die Haut centimeterhoch erhebt.
Nach Aufhören des dehnenden Ziehens schnellt die Haut, welche sich weich wie Samt
anfühlt, sofort wie Gummi wieder in ihre frühere Lage zurück. […] Wie der anatomische
Wundermensch versichert, empfindet er bei all diesem Dehnen und Falten seiner Haut
keinerlei Schmerzen, noch unangenehme Gefühlseindrücke, dagegen ist er für
Temperaturwechsel und Nadelstiche ebenso empfänglich wie andere Menschen.»9
Der Vergleich zwischen dem Wundermensch und der Alltagserfahrung im Schlusssatz deutet
auf eine neue Rezeption hin; die Anomalie ist zwar seltsam und auch spektakulär, aber es ist
eine Andersartigkeit und Auffälligkeit auf der Basis des Alltags, des Gewöhnlichen.
• Bartola (183?–1???) und Maximo (183?–1913)
BILD Die so genannten Vogelköpfe sind medizinisch gesehen Mikrozephale, als Menschen
mit geringem Hirnvolumen. Als Schausubjekte hatten diese Menschen mit einer schweren
geistigen Behinderung das bessere Leben in den Variétés als in einem Asyl oder Irrenhaus mit
seiner Tristesse. Sie waren, gerade wegen dem Grad ihrer Behinderung, zwangsläufig in die
Gemeinschaft der Show-Leute integriert. In Zusammenhang mit Charles Darwins
(1809–1882) Evolutionstheorie («On the origin of species by means of natural selection»,
1859; «The descent of man», 1871) waren solche Menschen immer wieder gut genug, um als
‹missing link› zu gelten, also eine Spezies, die die progressive Evolution zwischen Affe und
Mensch dokumentieren sollte.
Die Vogelköpfe Bartola und Maximo wurden anfänglich nicht nur als Geschwister
ausgegeben, sondern galten als die letzten Abkömmlinge der Azteken, die ihr Manager unter
Lebensgefahr aus den Tempelruinen von Yucatan entführt haben soll. 1849 wurden die
beiden Kinder in New York als ethnologische Kuriosität ausgestellt. Ihr Konterfei findet sich
in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen. 1853 kamen sie nach Europa und wurden
vor fast sämtlichen Königen und Kaisern gezeigt. 1901 wurden sie im Raritätenkabinett des
«Panopticum» in Zürich ausgestellt, «irgendwo zwischen Skeletten, Föten, Präparaten und
Krankheits-Schablonen»10, wie Rea Brändle in ihrer Studie über die Zürcher Völkerschauen
bemerkt.
• Chang und Eng (1811–1874)
BILD Bis ins 19. Jahrhundert glaubt man, dass die Doppelmenschen durch die Verwachsung
zweier Eier im Mutterleib entstanden. Erst mit dem Zellularpathologen Rudolf Virchow
(1821–1902) setzte sich die Erkenntnis durch, dass die Zwillingsmissbildung durch
unvollständige Teilung eines befruchteten Eies entsteht und damit beide Teile gleichen
Geschlechts sein müssen.
9 Fahrend Volk. Abnormitäten, Kuriositäten und interessante Vertreter der wandernden
Künstlerwelt. Von Signor Saltarino. Leipzig 1895. Reprint Berlin 1978, 121f.
10 Brändle, Rea: Wildfremd, hautnah. Völkerschauen und Schauplätze. Zürich 1880–1990.
Bilder und Geschichten. Zürich 1995, 80.
Der verschämte Blick. Von der Konstruktion des Hässlichen bis zur Verkitschung der Entstellung • © Fritz Franz Vogel • ISP WS 2002/2003 • 9
Je nachdem an welcher Stelle die Zwillinge zusammengewachsen sind, unterscheidet die
Medizin zwischen Sternopagen (am Brustteil, dem Sternum, zusammengewachsen),
Ischiopagen (am Becken zusammengewachsen), Cephalopagen (am Kopf
zusammengewachsen) und Gastropagen (Spaltung der Wirbelsäule und gemeinschaftliches
Becken). Die Sternopagen kommen statistisch am häufigsten vor, doch in den Freak Shows
dominierten die Ischiopagen, da sie früher in den seltensten Fällen am Leben blieben und
deshalb die überlebenden Paare sehr berühmt wurden.
Die in Macklong in Siam geborenen Chang und Eng wurden 1829 von einem Schiffskapitän
veranlasst, nach Amerika und später nach England zu gehen. Er wurde ihr Manager, steckte
aber den ganzen Verdienst in seine eigene Tasche. Erst als sich die Brüder von ihm trennten,
konnten sie selber ein beachtliches Vermögen erwerben. Sie heirateten die Töchter eines
amerikanischen Geistlichen und zeugten insgesamt 18 normal entwickelte Kinder. Nachdem
die Brüder im amerikanischen Bürgerkrieg ihren Besitz verloren, waren sie erneut auf
Tournee, 1870 zum ersten Mal in Deutschland. Chang entwickelte einen Hang zum Alkohol,
was zu Streitigkeiten zwischen den beiden Ehefrauen geführt haben soll. Die beiden Brüder
bauten sich darauf getrennte Häuser, wo sie jeweils für je drei Tage im einen, dann im andern
Haus wohnten.
Dass heute viel weniger siamesische Zwillinge in der Öffentlichkeit erscheinen, hängt mit der
mikrotechnischen Medizin zusammen, die, wenn immer möglich, die Personen an den
entsprechenden Stellen trennt.
• Rosa und Josepha Blaczek aus Skreychow in Böhmen (1878–19??)
BILD «Diese beiden reizenden Mädchen sind am 20. Januar 1878 von einer 22jährigen
Mutter, die zwei Jahre früher einem gesunden Mädchen das Leben gegeben hatte, geboren
und körperlich und geistig vortrefflich entwickelt; von ruhigem, friedliebendem und
liebenswürdigem Temperament, scheinen sie über ihr Schicksal nicht weiter nachzudenken.
Mit wunderbarer Geschicklichkeit und klugem Austausch der Kräfte bewegen sie sich und
benutzen die Treppen, ohne besondere Schwierigkeiten überwinden zu müssen. Eine
eigentümliche Erscheinung bietet der Schlaf der Kinder. Während Josepha schläft, wacht
Rosa drei bis vier Stunden, nach dieser Zeitdauer werden die Rollen gewechselt bis zum
Morgen. Dieser Umstand erfordert eine besondere nächtliche Beaufsichtigung, da der
wachende Teil nicht ohne Gesellschaft, bezw. Unterhaltung bleiben will. Es macht einen
wehmütigen Eindruck, wenn eins der beiden Mädchen bei einem kleinen, eigentlich mehr
scherzhaft gehaltenen Streite dem andern Teil die drohenden Worte zuruft: ‹Wenn du mir das
nicht giebst, lasse ich mich von dir abschneiden!›»11
Während das Kinderbild die siamesischen Zwillinge noch uniformiert und parallelisiert, ihnen
also denselben Gestus verordnet, ist die Abbildung 10 Jahre später viel stärker
individualisiert. Rosa lacht, schaut zum Betrachter, hält einen kuriosen Hut, eine
Blumenstrauss und eine Tüte. Josepha dagegen liest in einem Buch. Damit entsteht der
Eindruck einer individuellen Lebensweise trotz des Aneinandergekettetseins.
• Laloo (1869–1902)
BILD Einen medizinischen Sonderfall stellen die parasitären Zwillinge dar. Hier wird im
Verlaufe der Schwangerschaft nicht nur die Zygotenteilung der Zwillinge nicht vollständig
vollzogen, sondern der eine Zwilling entwickelt sich selber nicht vollständig, sodass er am
Körper des voll ausgebildeten Zwillings hängt. Nach der Geburt wird er vom so genannten
Autositen, das Gegenstück zum Parasiten, miternährt.
11 Fahrend Volk. Abnormitäten, Kuriositäten und interessante Vertreter der wandernden
Künstlerwelt. Von Signor Saltarino. Leipzig 1895. Reprint Berlin 1978, 106.
Der verschämte Blick. Von der Konstruktion des Hässlichen bis zur Verkitschung der Entstellung • © Fritz Franz Vogel • ISP WS 2002/2003 • 10
Beim Inder Laloo wurde behauptet, dass der Parasit ein Mädchen sei, was aber, wie wir
gesehen haben, nicht stimmen kann. Laloo wurde 1882 zur indischen Ausstellung in London
gebracht, wurde ein Star unter den Schaustellungen und erhielt hohe Gagen. Er heiratete 1894
eine gebildete junge Deutsche aus Philadelphia und erhielt um 1900 eine Engagement bei
Barnum & Bailey. Er verstarb aber kurz darauf bei einem Eisenbahnunglück in Mexiko.
• Francesco A. Lentini (1889–nach 1955)
BILD Der Fall des Sizilianers Lentini ist eine asymmetrische Verdoppelung des Unterleibs.
Das parasitäre dritte Bein hörte mit dem 6. Lebensjahr zu wachsen auf, so dass es bald kürzer
war als die beiden anderen. Er hatte zwei Geschlechtsorgane, doch ist über deren gleichzeitige
Funktion nichts bekannt. Er war verheiratet und hatte 4 normale Kinder. Er kam 1898 nach
Amerika, und wurde zur Hauptattraktion bei allen grossen amerikanischen Zirkussen. Noch in
den 1950er Jahren reiste er mit einer eigenen Schaubude herum.
Man könnte die Liste noch weiter führen, könnte von den Kolossen erzählen, die 250 kg und
mehr auf die Waage bringen, könnte die Knochenmenschen erwähnen, die als wandelnde
Skelette auftreten, könnte von Susie erzählen, der Frau mit der Elefantenhaut, von Irma
Lousteau, der Pantherdame, vom Froschknaben Carl Norwood, vom Spider Boy, von der
Miss Violet, dem Kamelmädchen, von Mrs. Banks, dem Bärenweib und Serpentina, der
Schlangenfrau, oder Karl Talg und Grady Stiles, den beiden Hummerscherenmenschen, von
Albinos und Bartfrauen.
Was hier in zumeist studiomässig inszenierten Fotodokumenten vorgeführt wird, lässt die
historischen Beispiele wiederum in einem anderen Licht erscheinen. Der Realismus um die
Jahrhundertwende 1900 lässt auch die alten Berichte aus dem späten Mittelalter und der
Renaissance als weitgehend glaubwürdig erscheinen, auch wenn sie durch das blosse
Hörensagen eine gewisse Verzerrung erfahren.
Wie wir sehen, werden hier Besonderheiten stilisiert und für ein Publikum aufbereitet. Das
Publikum ist weniger interessiert an der erschröcklichen Kreatur, am Schauderhaften der
Missgeburt, als viel mehr an den extravaganten Leistungen. Die Behinderung ist zwar eine
Einschränkung, doch fordert gerade sie heraus, den Alltag zu bewältigen und den Menschen
als Schausubjekte zu zeigen, was sie ‹so drauf haben›. Diese besondere Leistung, diese überund
widernatürliche Begabung, war es, die zählte. Die Abhängigkeit vom Vermittler, dem so
genannten Impresario, ist zwar für eine aufgeklärte und die Individualität zunehmend
betonende Zeit eher problembehaftet; wenn nichts mehr aus der Behinderung herauszuholen
ist, werden diese lebendigen Show-Effekte fallengelassen und versinken in der Gosse, wo sie
vereinsamen (Sterbensdaten sind nämlich nur von den wenigstens bekannt). Doch anderseits
kann festgehalten werden, dass gerade sie, im Vergleich zu den unbekannten Impresarios, mit
Namen und Gesicht, also mit einer visuellen und bisweilen literarischen Identität, überlebt
haben. Von ihnen wird noch heute gesprochen, gerade weil sie, wie im Showbizz üblich, mit
ihren Sensationen weit über dem Durchschnittsinteresse des Publikums lagen und somit deren
Gier und Spannung befriedigten. Somit waren sie keineswegs nur tragische Figuren, sondern
hatten zugleich die Funktion, aus einer andern, fremden, exotischen Welt kommend, doch auf
ihren Alltag, auch wenn dessen Banalität zumeist ausgespart blieb (wer interessiert sich schon
für das Gewöhnliche), aufmerksam zu machen. Die Menschen mit einer offensichtlich
seltenen Behinderung waren nicht mehr Naturwunder, auch nicht mehr bloss
ausstellungswürdige Anomalien von Fürsten und Königen, sondern sie wurden zu einer
menschlichen Randgruppe, wenn auch noch unter der Gewinnfuchtel von geschäftstüchtigen
Impresarios, die möglichst extreme Gegensätze in die menschliche Manege bringen wollten:
Der verschämte Blick. Von der Konstruktion des Hässlichen bis zur Verkitschung der Entstellung • © Fritz Franz Vogel • ISP WS 2002/2003 • 11
Riesen und Zwerge, das dickste Kind und den Skelettmenschen, bärtige Frauen und
biologische Zwitter etc.
Dennoch war das körperbehinderte Wesen, von Kindsbeinen an zum Geldverdienen
verdammt, durchaus gesellschaftlich anerkannt und erhielt bisweilen einen Rechtsstatus, nicht
nur, weil es bürgerliche Leistungen vollbrachte und damit dem Leistungskanon entsprach,
sondern weil es die Ideologie des Bürgertums, über deren Leistung herauszuwachsen, als eine
persönliche Superleistung vorwegnahm und inkorporierte. Und nicht nur das: zusätzlich war
die Leistung sichtbar, sie war als Demonstration unmittelbar erfahrbar. In einer Zeit, wo noch
direkter statt, wie heute, medial vermittelter Menschenkontakt gegeben war, konnte man
weniger lügen, weniger auf Fakes und technische Tricks ausweichen.
Klar, Fotos verklären die Erinnerung an diese Freaks, weil sie sie auf dem Höhepunkt ihrer
Show-Karriere zeigen; sie waren im Fokus einer interessierten Öffentlichkeit. Die Fotos
beschönigen zwar die Augenblicke des Lebens, doch zeugen sie in Momentaufnahmen, dass
auch das behinderte Leben lebenswert ist. Die Menschen erkannten damit, dass sie in einer
Karrierenleiter eingebunden waren. Die Kultur der Freaks, die Schaustellung ihrer selbst, gibt
einen Einblick in kulturelle und soziale Befindlichkeiten, in gesellschaftliche Entwicklungen.
Rückblickend könnte man in Erwägung ziehen, dass all diese realen Sensationen mit ihren
spezifisch vermarktbaren Anomalien somit Wegbereiter für eine breite Akzeptanz in der
Öffentlichkeit waren, auch wenn das Arbeits- und Lebensumfeld von Menschen mit einer
Behinderung längst nicht für alle galt, sondern nur einen verschwindend kleinen Teil,
sozusagen die vermarktbare Spitze betraf. Der grosse Rest fristete sein Dasein nach wie vor in
Krüppelheimen und war damit der Öffentlichkeit entzogen. Zumindest aktivierten die
wenigen öffentlich und damit offensichtlich und spektakulär zur Schau gestellten
Missbildungen aber das Interesse der Laien an der Medizin (und manch anatomisches
Kabinett hat sich der Zeit angepasst und firmiert heute als Sexmuseum: «Abnormitäten!
Haben sie Probleme? Besuchen Sie unser Sex-Museum, und Sie kommen als glücklicher und
aufgeklärter Mensch heraus!»12).
Urs Zürcher wertet es als Indiz der beiden Seiten derselben Medaille, dass das Schaugeschäft
von Menschen mit Missbildungen zusammenfällt mit der Blütezeit der Teratologie.13
Dass die Abnormitäten nicht nur Freunde und Bewunderer fand, zeigt sich in einer
Einsendung an den «Schweizerischen Volksfreund» zur Basler Messezeit 1878: «Zu dem
vielen Sehenswerthen und Interessanten, das die Messe bietet, gesellt sich auch Vieles, das
besser fern bliebe. Wir haben zwar alles Mitleid mit Krüppeln, Lahmen und Blinden und
begreifen deren Hilfsbedürftigkeit. Wenn aber z.B. ein Mann auf einem Wägelchen
herumgeführt wird, der weder Arme noch Beine hat, also blos noch aus Rumpf und Kopf
besteht, so ist das doch etwas stark. Gerade für Frauenzimmer ist der Anblick eines solchen
Verstümmelten sozusagen ‹krablig› und schaudererregend. Die Behörde, welche
Messbewilligungen zu ertheilen hat, sollte doch ein wenig mehr Rücksicht auf das Gefühl der
Bevölkerung nehmen und Anblicke wie obiger den Augen der Passanten entziehen.»14
Der männliche Einsender ist sich wohl nicht bewusst, dass auch zu seiner Zeit die Frauen die
meiste Pflegearbeit verrichteten und sich durchaus einen solchen Anblick zutrauten. Typisch
12 Scheugl, Hans: Show freaks & monster. Köln 1978, 158.
13 Zürcher, Urs: Die Lehre von den Missbildungen oder die Inszenierung der biologischen
Normalität. Ein Beitrag zur Geschichte und Funktion der Teratologie im 19. Jahrhundert. Liz-
Arbeit. Basel 1995, 110.
14 Zit. in: Zürcher, Urs: Die Lehre von den Missbildungen oder die Inszenierung der
biologischen Normalität. Ein Beitrag zur Geschichte und Funktion der Teratologie im 19.
Jahrhundert. Liz-Arbeit. Basel 1995, 93.
Der verschämte Blick. Von der Konstruktion des Hässlichen bis zur Verkitschung der Entstellung • © Fritz Franz Vogel • ISP WS 2002/2003 • 12
war der chauvinistische Zug dieses Mannes, der seine Irritation auf das in seinen Augen
schwache Geschlecht weiterproijzierte.
Doch die Kritik kommt auch von innen heraus. So schreibt William Hay in «Deformity: An
Essay» bereits 1755: «Körperliche Mißbildungen sind jedermann sichtbar, aber ihre Folgen
kennen nur wenige; wirklich vertraut sind sie aber nur denen, die sie verspüren; und sie sind
im allgemeinen nicht geneigt, sie zu zeigen.»15
Die Aussenseiterstellung und Minderheit in einer Gesellschaft – welcher Art sie auch
sein mag – führt aus Gründen der Selbstbehauptung zu Subgemeinschaften, die in
ihrer Abgeschlossenheit nicht selten den Charakter eines Ghettos annehmen. Der
Grund für die Isolation liegt an der Intoleranz der Allgemeinheit, die eine
Abweichung von jener Norm, in die sie selbst gepresst wurde, nicht ertragen kann.
Nicolas Kobelkoff, der Sohn des Rumpfmenschen Nikolai Kobelkoff, schrieb
darüber: «Die menschlichen Phänomene – und es ist traurig, das festzustellen– sind
fast immer Demütigungen ausgesetzt. Man sieht sie als minderwertige Wesen an,
aber mitleidlos und grausam ist vor allem, daß man es sie schonungslos fühlen läßt.
Man bringt für ihre Gefühle weniger Verständnis auf als im allgemeinen für Hunde
und Katzen. Viele der Mißbildungen leiden darunter, während andere das Gefühl der
Beschämung nicht mehr besitzen; sie haben sich davon freigemacht, indem sie ihren
Charakter noch stärker abpanzerten. Die Reisen, der Umgang mit Menschen jeden
Schlages, die zwangsläufige Isolation zwingt sie zum Nachdenken; all das gibt ihnen
eine besondere Traurigkeit, macht sie vollkommen skeptisch und auch fähig, die
Schlechtigkeiten und Fehler der Menschen zu beurteilen, ebenso wie die Nichtigkeit
menschlicher Eitelkeit.»16 (Intermediaire Forain Nr. 619).
Der Zirkus ist darum ein annähernd idealer Ort für Freaks, denn hier spielt die abnorme
Körperlichkeit keine Rolle und durch die Verschiedenartigkeit der Zirkusleute ist auch die
Ghettosituation nicht so spürbar. Eine andere Art der Abschirmung vor der grausamen
Umwelt kann die sozial bevorzugte Stellung sein. William Hay zitiert den Fall eines
buckligen Zwerges, der Mitglied des britischen Unterhauses war; sein Leben wurde ihm
durch seinen Wohlstand erträglich gemacht. Er ermöglichte es ihm, mit den unteren Schichten
der Bevölkerung – und ihren Verhöhnungen – so selten wie möglich in Berührung zu
kommen.
Unter Zirkusleuten im Allgemeinen und unter Show Freaks im Besonderen herrscht, wie
Kobelkoff, der jahrelang mit seinem Vater reiste, feststellte, eine herzliche Verbundenheit,
Hilfsbereitschaft und Anteilnahme. Hier waren Selbstironie und oft brutale Witze über die
eigene Abnormität – wie bei anderen Aussenseitergruppen auch – selbstverständlich, einem
Aussenstehenden dagegen wären sie übel genommen worden. Wir kennen dieses Spiel einer
‹déformation professionelle›, wo wir Dinge viel härter beim Namen nennen, als wir dies
Leuten von aussen zugestehen.
In einem Punkt allerdings taucht der unbewältigte Konflikt mit der ‹normalen› Umwelt auch
in der sonst so guten Beziehung der Freaks untereinander auf und stellt sie in einem gewissen
Masse in Frage. Im Sexuellen nämlich errichtet die Abnormität des anderen, bzw. die eigene
Missbildung, die man im anderen sieht, in den meisten Fällen ein unüberwindliches
Hindernis. Kobelkoff berichtet von einem Gespräch, an dem mehrere menschliche
15 Zit. in: Scheugl, Hans: Show freaks & monster. Köln 1978, 169.
16 Zit. in: Scheugl, Hans: Show freaks & monster. Köln 1978, 169.
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Phänomene, wie er sie vorzugsweise nannte, teilnahmen, so auch die beiden Rumpfmenschen
Nicolai Kobelkoff und Annitta. Jemand machte die freundlich gemeinte Bemerkung,
Kobelkoff und Annitta hätten ein schönes Paar abgegeben, wäre Kobelkoff nicht schon (mit
einer normal gewachsenen Frau) verheiratet gewesen. Sowohl Kobelkoff als auch Annitta
reagierten auf diese Vorstellung mit ungewöhnlicher Heftigkeit. Kobelkoff protestierte: «Oh,
nie im Leben. Ich würde keine Frau wollen, die mir gleicht.» Annitta äußerte sich auf die
gleiche Weise: «Und ich auch nicht. Oh, nein. Ich, ich liebe nur Männer, die alle ihre Glieder
besitzen, ja, mit ihren vollständigen Gliedern.»17
Kobelkoffs Sohn schreibt dazu: «Die menschlichen Phänomene heiraten fast niemals
untereinander aus Gründen der körperlichen Abneigung und wegen des vollständigen Fehlens
von gegenseitiger Anziehung. In der Liebe wollen sie nur normal gewachsene Menschen, und
es war daher nichts Erstaunliches daran, daß mein Vater und Annitta, mit ihren
Besonderheiten, sich sinnlich voneinander in keiner Weise angezogen, sondern vielmehr
abgestoßen fühlten.» (Intermediaire Forain Nr. 820). Das gilt nicht nur für die
Rumpfmenschen, sondern auch für Zwerge und andere Abnormitäten. Das gilt vor allem für
die Beziehung zwischen Freaks der gleichen körperlichen Missbildung, während z. B. die
Heirat zwischen einem Riesen und einer Rumpffrau, oder einer Dicken und einem Dünnen
oder zwischen Kleinwüchsigen untereinander durchaus vorkommt. Die eigene Missbildung
erweist sich da als unverheilte Wunde, die angesichts des gleichartigen Partners schmerzlich
bewusst wird und (sexuell) abstösst – im Sexuellen kann der Freak seine Prägung und
Stigmatisation nicht mehr leugnen. Dieses Problem kennt z.B., wer mit Jugendlichen mit
einer Behinderung zu tun hat, die auf Partnersuche sind, und in ihrer Freizeit stets dort
suchen, wo sie vielfach unerwünscht, unverstanden sind oder stigmatisiert werden.
Die Krüppelpsyche, wie Carl Herrmann Unthan sie nannte, erlangt durch die fast
ununterbroc18hen spürbare Konfrontation mit der Umwelt, die weit über das Mass eines
Durchschnittsmenschen hinausgeht, eine erhöhte Sensibilität. Unthan äussert sich in seinem
«Pediskript» darüber an mehreren Stellen. Für ihn war die Entwicklung der geistigen
Fähigkeiten hauptsächlich mit jener der körperlichen Fähigkeiten verbunden. «Wer von
Geburt an auf eigene Versuche angewiesen ist und daran nicht gehindert wird, was in den
allermeisten Fällen aus törichtem Mitleid geschieht, bei dem entwickelt sich ein Wille, der
zwar selbstverständlich ist, den Vollmenschen aber als etwas Außergewöhnliches erscheint.
Der Trieb zur Selbständigkeit, verbunden mit dem Drang, hinter anderen nicht
zurückzustehen, reizt zu fortdauernden Versuchen an. Die helle Freude am Erreichten fördert
mächtig und führt immer wieder auf neue Wege. (…) Die beständigen Versuche zur
Erleichterung der Selbsthilfe zeitigen eine mechanische Findigkeit, die auch das
Denkvermögen erweitert, zu scharfer Beobachtung anregt und das innere Wesen vertieft»19
(306, 312). Unthan konnte daher am Ende seines Lebens auch glaubhaft versichern: «Ich
fühle mich dem Vollmenschen gegenüber in nichts verkürzt und kann allen
Lebensbedürfnissen und Anforderungen genügen wie er. Noch nie habe ich einen Menschen
gefunden, mit dem ich nach Betrachtung aller Umstände hätte tauschen mögen. Gekämpft
habe ich redlich, mit mir selbst mehr noch als mit der Umwelt, aber die feinsten seelischen
Genüsse, die mir gerade aus den Kämpfen infolge meiner Armlosigkeit erwachsen sind,
möchte ich um keinen Preis der Welt hergeben»20 (307). Aus Unthans Lebensbeschreibung
lässt sich erkennen, dass es sich dabei um eine intensivere Erlebnisfähigkeit und damit um
17 Zit. in: Scheugl, Hans: Show freaks & monster. Köln 1978, 170.
18 Zit. in: Scheugl, Hans: Show freaks & monster. Köln 1978, 170.
19 Zit. in: Scheugl, Hans: Show freaks & monster. Köln 1978, 170.
20 Zit. in: Scheugl, Hans: Show freaks & monster. Köln 1978, 170.
Der verschämte Blick. Von der Konstruktion des Hässlichen bis zur Verkitschung der Entstellung • © Fritz Franz Vogel • ISP WS 2002/2003 • 14
eine erhöhte Lebensfreude handelte. Wenn er als Kind bei verschiedenen Arbeiten mithelfen
durfte, stellte er sich erstaunt die Frage: «Wie kam es nur, daß andere an diesen Arbeiten nicht
so viel Freude empfanden wie ich? Fast taten sie mir leid.»2122 (27) Wenn er mit seiner Mutter
zusammen eine Arbeit ausführen konnte, war seine Lust daran mit normalen Massstäben nicht
mehr zu messen: «Bei diesen gemeinsamen Arbeiten verwuchsen wir, gingen ganz ineinander
auf. Ich schwamm in Seligkeit. ‹Muttchen, die Kinder mit Händen freuen sich lange nicht
soviel wie ich; ist das nicht schade? Sie können doch gar nicht wissen, wie schön es in der
Welt ist›» (34).
Besonders bei den Menschen, denen Arme und/oder Beine fehlen, lässt ihr körperliches
Manko einen um so stärkeren Lebenswillen entstehen, und Kobelkoff jr. nannte vor allem sie
die ‹Sieger des Lebens›. Es ist bei ihnen, wie Hans Scheugl 1978 ausführt, kein einziger
Selbstmord bekannt. (Der Skelettmensch Castagna ist der einzige körperlich Abnorme, bei
dem seine Mißbildung Ursache seines Selbstmordes war.)
Die Schärfung der Sensibilität und des Bewusstseins fördert auch die kritische Einstellung
gegenüber der Umwelt. So finden wir bei körperlichen Abnormitäten immer wieder das
fassungslose Staunen darüber, wie achtlos die Gesunden mit ihrem Leben und ihrer
Gesundheit umgehen, indem sie vor allem durch Krieg und Terror mutwillig Krüppel
erzeugen. «Ich lese von Drangsalierung, Foltern, Morden, Massakern; mein Mitleid für die
Leidenden ist groß, aber meine Tränen versiegen durch den Groll und die Entrüstung über die
Erfinder und Täter solch schrecklicher Handlungen.»23 (William Hay, Essay, 44) Eine
Analogie dazu fand Hay auch im Sozialen: Jene, die alles besitzen, achten es wenig, während
jene, denen das Notwendigste fehlt, das Wenige zu schätzen wissen.
Das Ende der Show
Zum schnellen Niedergang der Shows mit Missbildungen trug, vor allem im benachbarten
Ausland (die Schweiz hat, wie wir oben für Basel gesehen haben, auch noch in den 1920er
Jahren solche lebenden Präparate), der 1. Weltkrieg bei. Der missgebildete Körper war nicht
mehr der Freak, der sich im Zirkus durchs Leben schläft. Der Kriegsversehrte kehrte zu
Hunderttausenden heim als Krüppel. Multiplizierte Missbildungen wurden zur schrecklichen,
alltäglichen Realität. Fehlende und verstümmelte Gliedmassen waren in erster Line ein
soziales und weniger ein wissenschaftliches Problem. An Wunderschauen hatte kaum jemand
mehr Lust. Jedenfalls nicht mehr aus Spass; die Rumpfmenschen, die sich in Shows verdingt
hatten, waren, wie wir im Fall von Carl Herrmann Unthan gesehen haben, jetzt plötzlich
gefragt als Instruktoren, um die ausserordentlichen Fähigkeiten mit ihren Stummeln an
Kriegskrüppel weiterzugeben und zu vermitteln. Dazu brauchte es kein Publikum mehr.
Und noch etwas: Das neue Massenmedium Film stieg von der Attraktion im Zusatzprogramm
zum Hauptprogramm und verdrängte die artistischen Darbietungen zu einem Vorprogramm.
Die Einführung des Tonfilms 1929 war dann der eigentliche Todesstoss für die Panoptiken,
weil das bis anhin live aufspielende Orchester entlassen wurde und damit das Variété-
Programm aufgegeben wurde. In Deutschland begann zudem der aufkeimende
Nationalsozialismus, die Show Freaks zu unterdrücken, die daraufhin nach Amerika
auswanderten und dort zu einem Überangebot auf dem Show-Markt führten. Die «Bremer
21 Zit. in: Scheugl, Hans: Show freaks & monster. Köln 1978, 170.
22 Zit. in: Scheugl, Hans: Show freaks & monster. Köln 1978, 170.
23 Zit. in: Scheugl, Hans: Show freaks & monster. Köln 1978, 171.
Der verschämte Blick. Von der Konstruktion des Hässlichen bis zur Verkitschung der Entstellung • © Fritz Franz Vogel • ISP WS 2002/2003 • 15
Nachrichten» vom 3.10.1937 legten in einem längeren Artikel angesichts einer dringenden
«Qualitätsauslese» unter den Schaustellern unter anderem klar: «Zunächst einmal
verschwinden alle die Nummern, die lediglich minderwertige Elemente zum Besuch
anlocken. Dazu gehören vor allem die Körperbehinderten, die ihre mißgestalteten Glieder zur
Schau stellen. Diese unfreiwilligen ‹Künstler› werden dem Reichsbund für Körperbehinderte
überwiesen, der ihnen eine ausreichende Arbeit vermitteln wird. Abnormitäten dürfen in
Zukunft nur noch dann auftreten, wenn sie ein ärztliches Attest besitzen, das ausdrücklich
festlegt, daß die Inhaber dieser Beglaubigung keine Krankheiten körperlicher oder geistiger
Art haben.»24 Skelettmenschen, Kolosse, Haarmenschen, Armlose und die «Dame ohne
Unterleib», die im Artikel einfach bloss als Schwindel bezeichnet wurden, erhielten zur
Schaustellung keine Genehmigung mehr. Nur Riesen und Zwerge wurden weiterhin mit
einigem Wohlwollen behandelt, denn sie waren ja keine Krüppel. Ausserdem waren sie bei
den Deutschen durch Sagen und Märchen als traditionelle Figuren zu beliebt.
Soziokulturell kann man ersehen, dass es sehr wohl eine Bevölkerungsgruppe gab, die als so
genannt ‹fahrendes Volk›, bestehend aus Schaustellern, Gauklern, Vaganten und lebenden
Präparaten, einem Erwerb nachging und eine gesellschaftliche Bedeutung erlangte. Nicht alle
Reisenden wollten (oder mussten) sesshaft gemacht werden, wie wir das letzte Mal für den
jungen schweizerischen Nationalstaat gesehen haben, auch wenn sie damit in der Nähe der
rechtlosen Hausierer und Bettler, der Gauner und Kriminellen angesiedelt waren. Die Show
lebte von ihnen, sie lebten von der Show. Beide, Produzent und Konsument, aber auch
Schausteller und ihre missgebildeten Subjekte, lebten nur so lange voneinander, wie das
Publikum die Neugier gestillt hatte oder eine andere Zeit anbrach, entweder diejenige wie im
präfaschistischen Deutschland, das Behinderte verfemte und aussonderte, weil sie als
minderwertig galten und als mögliche Ansteckungsgefahr und Vertreter einer negativen
Auslese im Hinblick auf eine rassische Reinheit betrachtet wurden. Die amerikanische
Haltung gegenüber der Körperbehinderung hat diesbezüglich eine andere Tradition. Weil das
Interesse für Show-Elemente seit Beginn des 19. Jahrhunderts stärker ausgeprägt war, konnte
sich der Show-Markt dort rasanter und eigenständiger entwickeln und blieb auch länger am
Leben. Wie wir noch sehen werden, wirkt diese Zeit auch bei neueren Fotoreportagen noch
nach.
Doch mit dem Niedergang der Auftrittsmöglichkeiten verschwanden die Freaks immer mehr
aus dem Blick der Zeitgenossen des 20. Jahrhunderts. Ein Grund war die verschärfte
eugenische Diskussion – nach ersten Anfängen in den 1870er Jahren unter dem Aspekt der
Medizin – und die nachfolgende Praxis mit der erfolgten Ausmerzung der Behinderten in
Deutschland in der nationalsozialistischen Medizin. Anderseits lichteten sich die Reihen mit
dem Aufkommen telematischer Medien wie Film und Fernsehen, die andere
Rezeptionsstätten entwickelte (Filmhäuser, Wochenschauen) und die Produktion solcher
Produkte an industrielle Orte wie Hollywood auslagerte.
Oder anders gesagt. Die telematischen Medien brauchten eine andere Form von Identitäten,
nämlich Vertreter eine Spasskultur, die nicht Sozialfälle waren, sondern weitgehend Artisten
und Künstler, die ihr Talent durch hartes Training ausweiten und zur Vollendung bringen.
Solche erlernten Eskapaden wurden z.B. bei Robert Ripleys (1893–1949) «Believe it or not!»
gezeigt, einer Show, die viel stärker den humoristischen Einfall betonte und damit das im
Grunde doch noch Mitleid erregende Element der Behinderung völlig ausklammerte.25 So
kamen die neuen Stuntmans und -women zum Zuge: Menschen, die ihre Glieder aushängen
und sich verrenken konnten, sodass das eine in entgegengesetzte Richtung schaute,
24 Zit. in: Scheugl, Hans: Show freaks & monster. Köln 1978, 20f.
25 Sloan, Mark / Manley, Roger / Parys, Michelle van: Dear Mr. Ripley. A compendium of
curioddities from the Believe it or not! archives. Boston/Toronto/London 1993.
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Menschen, die mit den Ohren balancieren konnten, die mit Nasen, Zungen und Ohrläppchen
erstaunliche Gewichte hoben, die mit Zähnen Eisenbahnwagen verschoben, also Leute, die
heute noch in TV-Sendungen wie «Wetten, dass…» Platz haben. Dieses neue Genre an
gemachten und selbstinszenierten Freaks wie Schwertschlucker, Feuerspucker,
Ohrenseifenbläser, Hungerkünstler, Tätowierte, Entfesselungsartisten, Fakire und
Verwandlungskünstler gedieh aufgrund von Training und bewusster (Spass)kultur. Es war ein
Lernen auf eine gierige Öffentlichkeit hin, die aus dem Normalmenschen einen Star zu
machen versprach.
Ausgeklammert haben wir die eigentlichen Völkerschauen, die parallel zu den Zirkussen ihr
ethnografisch interessiertes Publikum suchten. In Zürich waren es, wie Rea Brändle auflistet,
1872 8 männliche Marokkaner, 1880 10 Männer und 2 Frauen als Karawane aus Nubien,
1882 je 4 Frauen und Männer und zwei Mädchen als Wilde von den Feuerlandinseln, 1884
gastierte unter dem Hamburger Tierhändler Carl Hagenbeck (1844–1913) eine Gruppe von
der unteren Wolga. Derselbe Impresario brachte 1885 51 Ceylonesen nach Zürich. Jährlich
folgten nun ethnografisch exotische Gebiete, die mit 20, 30 Personen einen Eindruck ihrer
Lebensweise vermittelten: 1887 liessen sich, zumeist im Plattengarten beim heutigen Zoo,
Buschmänner und Hottentotten nieder, 1888 eine Negertruppe und 1889 eine Gruppe unter
dem Titel «Wild Afrika». 1891 war es wiederum eine Karawane aus Somali, 1892 die Schuli-
Truppe aus dem Nilgebiet, 1893 Singhalesen und 1894 die Matabele-Karawane, 1898 war ein
Corps aus Amazonien in der Gegend und die Krieger des Mahdi, ebenfalls im selben Jahr «35
schöne Mädchen» vom Togo-Lande. Im Jahr 1900 wiederum «30 lebende Amazonen», gleich
anschliessend Original-Transvaal-Buren und die Ceylon-Insulaner sowie «Samoas 30
Schönheiten». 1901 waren es «27 schwarze Weiber aus Wild Afrika», 1902 eine Sudanesen-
Karawane, 1903 die Togomandingotruppe und und und: Wüstensöhne, Senegalesen, Lappen,
Eskimos etc.26 Auch dieses Direkterlebnis verschwand mit dem Aufkommen filmischer
Produkte. Es war je länger desto weniger opportun, sich die Zeit mit Völkerschauen zu
vertreiben, wenn die individuellen Reisemöglichkeiten mit Eisenbahn und Flugzeug rapide
zunahmen.
Die Menschen mit Behinderungen schlugen eine andere Richtung ein. Die Solidarität nach
dem 2. Weltkrieg gedieh auf dem neuen Wohlstand des Wirtschaftswunders. Die Behinderten
wurden in ein soziale bs System aufgenommen, das ihnen aufgrund von Sozialleistungen
nicht mehr verordnete, sich als Showteil zu verdingen. Die kritische Aufnahme und folglicher
Untersuchung der körperlichen Defekte nach bestimmten Klassifizierungen verunmöglichte
auch eine Simulation des Gebrechens, wie es sie parallel zu den wahren Missbildungen und
Körperwundern gab; «Grantner» wurden z.B. bei Martin Luther in seiner Schmähschrift «Von
der falschen Betler biieberey» von 1528 gegen das falsche Bettlertum jene genannt, die
epileptische Anfälle vortäuschten, indem sie Seife in den Mund nahmen und Schaum
erzeugten, sich mit einem Halm in die Nasenlöcher stachen um zu bluten, sodass sie Geld
erbetteln konnten. «Klenckner» banden ihre Glieder ab, um wie Krüppel auszusehen. Die
«Zickischen» waren falsche Blinde, die «Vopperinnen» heuchelten Wahnsinn vor,
«Biltregerinnen» täuschten Schwangerschaft vor und die «Schweijger» bestrichen sich mit
Pferdemist und litten vermeintlich an Gelbsucht oder anderen Krankheiten, wie die «Seffer»,
die Aussatz zu haben beanspruchten.27
Die Menschen mit einer körperlichen Behinderung hatten aufgrund der sozialen Kontakte und
der finanziellen Beihilfen Möglichkeiten zur vollständigen Integration. Sie nahmen teil an der
Gesellschaft und konnten sich schulen und umschulen lassen. Man musste nicht mehr zum
26 Brändle, Rea: Wildfremd, hautnah. Völkerschauen und Schauplätze. Zürich 1880–1990.
Bilder und Geschichten. Zürich 1995, 160–166.
27 Scheugl, Hans: Show freaks & monster. Köln 1978, 152.
Zirkus, um sich auszustellen, sondern war zum normalen Bürger geworden, mit Name,
Heimat- und Geburtsort, mit AHV-Nummer und IV-Rente, mit eigener Wohn- und
Arbeitswelt, mit Sozialkontakten und Zukunftsaussichten. Doch man kann und darf sich auch
fragen, ob es nicht einen falschen Eindruck des Nichtvorhandenseins erweckt, wenn Show
Freaks aus unserem Gesichtsfeld verschwunden sind. Doch warten wir ab, Behinderung ist
um die Jahrhundertwende noch kein Politikum.
Das nächste Mal versuchen wir, das medizinische Bild auszukundschaften. Die Medizin hat ja
einen wesentlichen Anteil an der Eliminierung der sichtbaren Behinderung…
Dieser Eintrag wurde erstellt von...
Claudia Schellhammer - c.schellhammer@t-online.de
http://www.kuschelperser.de
Quelle: Claudia Schellhammer
28.03.2003 14:59 - 193.159.34.185

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